Viele Jahrhunderte war
Ettenheim rechtsrheinischer Mittelpunkt des Bistums Straßburg. 1200 Jahre
Stadtgeschichte brachten manche Turbulenz - Blut, Leid und Krieg genauso wie
Pomp und Glanz vor allem mit den Straßburger Bischöfen.
Frühere Herrschaftshäuser Straßburger und Elsässer Adels gruppieren sich um den
Kirchberg. Altes Fachwerk, barocke Kunst und erhabene Architektur prägen noch
heute das Stadtbild. Sie sind Zeugen lebendiger Geschichte.
Drei Stadttore verbinden die Altstadt mit neuen Baugebieten; eine gelungene
Symbiose von Historie und Moderne. Die traumhafte Vorgebirgslandschaft des
Schwarzwalds gibt Ettenheim mit Altdorf, Wallburg, Münchweier, Ettenheimmünster
und Ettenheimweiler die Geborgenheit, die die Römer in der ältesten Ansiedlung
Altdorfs schon zu schätzen wussten.
Die Geschichte in Zahlen - Markante Daten
Als Gründer Ettenheims
gelten der elsässische Herzog Ettiko II., der im Jahre 712 starb oder sein Sohn
Eddo (auch Etto oder Heddo), ein bedeutender Straßburger Bischof (734 - 775), der
das Kloster Ettenheimmünster wieder errichtete. In den Jahren zwischen 810 und
900 wird Ettenheim erstmals urkundlich erwähnt im Verbrüderungsbuch des
Klosters St. Gallen. Später entwickelte sich der Ort zum verwaltungsmäßigen und
wirtschaftlichen Mittelpunkt der Straßburger Herrschaft auf dem rechten
Rheinufer.
Weitere bedeutende Daten in
der Geschichte Ettenheims:
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Im 12.
Jahrhundert erhält Ettenheim das Marktrecht. |
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1236 |
erhalten
beide Städte nach Beilegung des Streits das Marktrecht zugebilligt. |
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1302/1304 |
erhält der
Marktflecken unter Bischof Friedrich I. von Straßburg und |
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1401 |
verpfändet
Bischof Wilhelm von Diest Ettenheim an die Stadt Straßburg. Die Befestigungen
aus der Zeit der Stadtwerdung – drei Tortürme, innere Mauer – werden durch
einen zweiten Mauerring ergänzt und verstärkt. Straßburg war führend in der
Befestigungskunst in jener Zeit. |
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1452 |
entsteht
durch eine Stiftung das Spital. Es dient als Pfründnerheim und Krankenhaus
und unterstützte Arme, Obdachlose (durch eine "Suppenanstalt") und
Schulkinder. Abbruch des alten Gebäudes 1781; heutiger Neubau 1786
eingeweiht. |
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1525 |
empören
sich im Bauernkrieg die Bauern rings um die Stadt; |
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1569 |
ist die
Stadt in den Hugenottenkriegen Musterungsplatz des Prinzen von Oranien. |
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1637 |
Am 25.
August brennt Bernhard von Weimar die Stadt nieder. Nur wenige Gebäude
überstehen den Brand; lange Zeit liegt die Stadt "öd und leer". |
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1695 |
leben nach
dem Wiederaufbau 184 Bürger, beziehungsweise 720 Einwohner, in der Stadt. |
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1716 |
erhalten
die Zünfte – sie bestanden schon vor dem 30-jährigen Krieg – eine neue
Zunftordnung. |
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1757 |
wird das
heutige Rathaus fertiggestellt. |
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1768 |
wurde mit
dem Bau der Barockkirche begonnen; 1771 wurde der erste Gottesdienst
zelebriert und 1782 erfolgte die Konsekration. |
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1776 |
wird das
neue Schulhaus (heute dient es als Pfarrhaus) erbaut. Die alte Schule musste
1766 wegen des Kirchenbaues abgebrochen werden. |
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1790 |
nimmt
Kardinal Louis René Edouard von Rohan-Guémené - Akteur und Leidtragender in
der Halsbandaffäre - im Straßburger Amtshaus (dem Palais Rohan) Residenz. Er
versammelt hier eine konterrevolutionäre Armee. Ettenheim ist zeitweise
Straßburger Bischofssitz. |
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1803 |
stirbt
Kardinal Rohan in Ettenheim. |
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1804 |
lässt
Napoleon den hier lebenden Herzog von Enghien - ein Bourbonen-Nachfahre-
entführen und in Vincennes bei Paris erschießen; ein Völkerrechtsbruch, der
die damalige Welt empört und Ettenheim in der Weltgeschichte verewigte. |
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1809 |
wird die
Stadt Sitz eines badischen Bezirksamtes (bis 1924). Im "Herrschaftlichen
Wein- und Fruchtspeicher" (erbaut 1812) wird um 1841 ein Gefängnis
eingerichtet (bis 1927). |
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1848/49 |
ist die
Stadt wichtiger Stützpunkt der badischen Revolution. Nach dem Aufstand
besetzen preußische Truppen zwei Jahre die Stadt. |
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1893 |
wird das
"Bähnle" (Nebenbahn Kappel-Ettenheimmünster) in Betrieb genommen. |
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1905/14 |
wird das
elektrische Licht in der Stadt und in Ettenheimweiler installiert. |
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1945 |
Am 19.
April rücken französische Truppen in die Stadt ein. |
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1950/51 |
Bau des
neuen Krankenhauses. |
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01.07.1971 |
Eingemeindung
von Wallburg. |
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01.12.1971 |
Eingemeindung
von Münchweier und Ettenheimmünster. |
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01.01.1973 |
wird die
Stadt im Zuge der Kreisreform dem Ortenaukreis zugeteilt. |
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01.01.1975 |
Eingemeindung
von Altdorf. |
Wie mag es ausgesehen haben, das Zimmer im 2. Stock des Ettenheimer
Amtshauses, umgebaut zur bischöflichen Residenz? Wieviele Kerzen mögen an jenem
Abend des 16. Februars 1803 angezündet gewesen sein? Keine Festbeleuchtung?
Keine rauschende Gesellschaft? Wo waren Hofklatsch, Galanterie, Uniformen,
Abendkleider, mit denen sich der Kardinal so oft zu umgeben gepflegt hatte?
Husten durchbricht die Stille! Die Luft im Krankenzimmer ist zum Schneiden. Ein
Frösteln geht durch die Anwesenden. Wieviele mögen es gewesen sein? Nachts um
11 Uhr ...
An diesem Abend endete
in Ettenheim das Leben, des Kardinals Louis René Edouard, Prince de
Rohan-Guémené, in aller Stille, weitab der großen Politik. Dabei hatte es am
25. September 1734 unter ganz anderen Vorzeichen begonnen.
Als Spross eines der ältesten und vornehmsten französischen Adelsgeschlechter
war für den jungen Louis René natürlich nur eine höhere Laufbahn in Frage
gekommen: Studien im Collegium du Plessis, Seminar von St. Magloire,
Priesterweihe.
1756 erhielt der 21-jährige die Abtei Chaise-Dieu in der Auvergne, im gleichen
Jahr wurde sein Onkel zum Fürstbischof von Straßburg gewählt. Der
sechzigjährige Bischof begehrte bereits 2 Jahre nach seiner Amtseinführung
einen Koadjutor und erhielt denselben am 22. November 1759 in der Person seines
25-jährigen Neffen. Dessen Aufstieg war damit noch lange nicht zu Ende.
Nach seiner Weihe als Bischof von Canopolis erhielt er im Jahre 1761 die Abtei
Mont-Majour, wurde am 11. Juni Mitglied der frz. Akademie und empfing in
Straßburg am 7. Mai 1770 zusammen mit seinem Onkel den Brautzug der Marie
Antoinette. Rohan vertrat Frankreich vom 6. Januar 1772 an als Botschafter am
Wiener Hof, erhielt - nach seiner Abberufung - 1777 die Würde eines
Grand-Aumônier de France und am 1. Juli 1778 den Kardinalshut, gepaart mit den
Einkünften der Abtei Sankt Waast zu Arras und dem bald darauf verliehenen Titel
eines Provisors der Sorbonne. Und als der Straßburger Bischof am 11. März 1779
stirbt, wunderte man sich nicht, den jungen Kardinal als dessen Nachfolger zu
sehen.
Schicksals im Schatten der Revolution
Doch von nun an ging es bergab. Der
Brand des Zaberner Schlosses 1779 war nur ein Anfang, die berühmte
Halsbandaffäre des Jahres 1785, in die Rohan als einer der Hauptbeteiligten
verwickelt war und die den Verlust des größten Teils seiner Titel zur Folge
hatte, ein folgenschweres Kapitel.
Die darauffolgende Französische Revolution veranlasste den Kardinal sein Hab
und Gut zusammenzupacken und am 13. Juli 1790 den Rhein zu überqueren. Im
rechtsrheinischen Teil seiner Besitzungen – im Oberamt Ettenheim war der
Fürstbischof von Straßburg auch weltlicher Herr – ließ er sich nieder. Das
Ettenheimer Amtshaus wurde extra zum provisorischen bischöflichen Palais
umgebaut.
Doch Ettenheim war Residenz auf Zeit, und die französischen Emigranten, die
sich um den Kardinal scharten, rechneten mit einer sehr kurzen Zeit. In wenigen
Monaten wollte man wieder in Frankreich sein.
Davon aber konnte keine Rede sein. Immer mehr Emigranten ließen sich im Oberamt
Ettenheim nieder. In der Folge der Zivilkonstitution des Klerus verließen viele
eidverweigernde Priester das Elsass. Allein am 29. Juli 1791 kamen 17
Geistliche in der Nacht nach Ettenheim, und Anfang September befanden sich
bereits 50 Priester in der Stadt. Im Spätsommer kommen binnen zweier Wochen 155
Geistliche über die Grenze, die auf die verschiedenen Ortschaften verteilt
werden. So sind im Oktober 1791 117 Priester in Ettenheim und täglich werden an
den Altären der Stadt zwischen 30 und 40 Messen gelesen.
Rohan versuchte mit
allen Mitteln, diejenigen zu unterstützen, die die alten Zustände in Frankreich
wiederherstellen wollten. Bereits im März 1791 wurden die Wirte des Oberamtes
und das Kloster Ettenheimmünster in Sachen Truppenunterbringung konsultiert.
Und schon am 11. März weiß man in Grafenhausen, dass die Ankunft von Soldaten
zur Gründung einer contrarevolutionären Armee kurz bevorsteht. Am 26. März
spricht Blittersdorf bereits von 500 stationierten Männern, und am 2. Juli
sollen über 1800 Soldaten im Oberamt liegen.
Die Bewohner des Oberamtes brauchten mehr als Geduld, um die Einquartierung vor
allem der Offiziere zu ertragen, und so manches eher unangenehme Geschehnis
dieser Tage prägte sich ein. Nicht genug, dass die Wildereien überhand nahmen.
Duelle prägten den Alltag und die Zivilbevölkerung war ihres Lebens nicht
sicher. Es fing mit Diebstählen in den zahlreichen Bauernhöfen und Wirtshäusern
an und endete mit Vergewaltigungen und anderen Freveltaten, in die bereits 12-
und 13-jährige Mädchen verwickelt waren.
Im März 1792 verlassen
auf Druck der Anliegerstaaten die von Rohan unterhaltenen Truppen Ettenheim. Am
20. April 1792 wird dann von Frankreich der Krieg erklärt, und ungeheure
Truppenbewegungen finden am Oberrhein statt, wie Joann Conrad Machleid und Karl
Ludwig Schilling von Canstatt in ihren Tagebüchern berichten. Doch die ersten
Kriegsjahre verlaufen ruhig. Als aber am 20. Juni 1796 französische Truppen den
Rhein überqueren, ergreift Rohan die Flucht. In den nächsten Jahren muss der
Kardinal immer wieder die Stadt verlassen. Er weilt in Baden in der Schweiz,
1799 in Regensburg, 1801 in St. Pölten.
Erst nach dem Frieden von Lunéville am 9. Februar 1801, kann der 67-jährige in
seine Residenzstadt zurückkehren.
Aber die Zeiten waren
andere geworden. Die Bistümer in Frankreich wurden neu eingeteilt und Louis de
Rohan muss den linksrheinischen Teil seines Bistums abtreten. Am 29. April 1802
wurde Johannes Petrus Saurine als neuer Bischof von Straßburg bestätigt.
Rohan behielt als Bischof lediglich die Ortenau, und als Fürst blieben ihm nur
noch die beiden Oberämter Oberkirch und Ettenheim. Als am 27. November 1802, im
Vorgriff auf die Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses, der badische
Markgraf die rechtsrheinischen Besitzungen des Straßburger Hochstiftes besetzen
ließ, wurden dem einstmals so glanzvollen Barockfürsten die letzten Reste
seiner weltlichen Herrschaft genommen. Nur schwachen Protest brachte der
Kardinal diesen Maßnamen entgegen. Während der Besetzung Ettenheims befand er
sich auf der Jagd. Stark gealtert und kränklich zog er sich in seine
Privatsphäre zurück.
Kurz nach den Ereignissen im Herbst 1802 erkrankte Rohan an einer
Influenzaepidemie. Am 14. Februar 1803 erging noch einmal ein Aufruf, für den
äußerst schwer erkrankten Bischof zu beten, doch schon zwei Tage später, am 16.
Februar 1803 starb er – hochverschuldet. Im Chor der Ettenheimer
Stadtpfarrkirche hat man ihn beigesetzt.
Wenig ist in der Stadt Ettenheim aus Rohans Nachlass verblieben. Am
bedeutendsten davon sind seine Büste im Bürgersaal und der Gobelin, der früher
an hohen Festtagen die Rückwand des Baldachins in der Kirche schmückte. Doch
die Beziehung zwischen Rohan und Ettenheim ist auch heute noch zu spüren. Sie
besteht weiter im Geschichtsbewusstsein der Stadt und den lebendigen Spuren,
die Louis René Edouard, Prince de Rohan-Guémené, in seiner kleinen
Residenzstadt hinterließ.